Erinnerung an Dalwa und Chatyn Der einzige am Leben gebliebene Zeuge der Vernichtung des kleinen Dorfes Dalwa in Weißrußland, Nikolaj P. Girilowitsch, schildert in dem 1987 in russischer Sprache erschienenen Buch "Dalwa - die Schwester Chatyns" sein Erleben der Vernichtung seines Heimatdorfs durch Soldaten der deutschen Wehrmacht im Sommer 1944; er war zur Zeit dieses grausamen Geschehens 13 Jahre alt. Dalwa teilt das Schicksal der Vernichtung mit dem durch die große Gedenkstätte bekannteren Chatyn und weiteren 617 Dörfern, die alle von deutschen Truppen (darunter auch das SS-Bataillon Dirlewanger) vollständig - mit Menschen, Vieh und Gebäuden - niedergebrannt wurden. Auszüge aus dem Buch "Dalwa - die Schwester Chatyns" sind von Hartwig Schleuß, Lehrer an der Städt. Realschule in Ennepetal, ins Deutsche übertragen und als Broschüre mit dem Titel "Ich erinnere mich ..." herausgegeben worden. Das Heft kann in den Stadtbüchereien Ennepetal und Füssen (Zweigstelle Hopfen) ausgeliehen werden. Der folgende Text ist aus dieser Übersetzung entnommen. Nikolaj P. Girilowitsch schreibt über die Gedenkstätte Chatyn: Die Zeit ist hier stehengeblieben. Es erstarrte die Stille in der harten Erinnerung. Plötzlich - der Schlag einer Glocke. Nach einer halben Minute der zweite, und schon fängt das ganze Chatyn an zu reden durch das Klingen der streng-traurigen Glockenschläge. Und die Glocken dröhnen: "Gute Leute, erinnert euch! Wir wollten so gerne leben ..." Graue Platten führen dahin, wo die Bauernhäuser ... - da haben einmal die Bauernhäuser gestanden, jetzt gibt es sie nicht mehr. Nur ein ringförmiges Betonfundament und darin in der Mitte ein schwarzes Skelett eines Schornsteins; und an diesem eine Tafel mit dem Namen derer, die in diesem Hause geboren wurden und gelebt haben und die die Faschisten lebendig ins Feuer geworfen haben. 26 Schornsteinglocken mahnen eindringlich zum Gedenken - 26 Wohnstätten sind es gewesen. Chatyn wurde auch zu der Stätte, an der die Menschen für immer eines jede vierten Einwohners Belorußlands gedenken - es ist der "Friedhof der Dörfer", der einzige Friedhof der Welt, wo anstelle der Namen von Menschen die Bezeichnungen für ganze Ortschaften auf den Gräbern stehen. Es sind schwarze Urnen beigesetzt mit Erde aus den ehemaligen Dörfern - aus all den belorussischen Chatyns. Asowina, Gani, Dalwa .. Nikolaj P. Girilowitsch schreibt über sein persönliches Erleben der Vernichtung des Dorfes Dalwa: Ich lag unter einer Birke und schaute lange in den Himmel. Ich dachte schon daran, mich bald auf den Weg nach Hause zu begeben, da ertönte es wie eine Explosion. Über die Waldwiese schallte eine schnelle Folge scharfer Echos. Und das Echo war noch nicht verklungen, als man schon wieder viele, viele Schüsse aus Maschinengewehren hörte. Ich sprang auf, blickte in Richtung Dalwa und erstarrte: Über dem Dorf stieg eine riesige schwarze Säule auf, über Dalwa wüteten Flammen mit schwarzem Rauch. Auf der Straße glühende Hitze. Ich blicke umher - überall nur Rauch und Rauch. Und plötzlich schießt mir eine fürchterlich Vermutung ins Herz ... Mich umgab Brandgeruch und noch ein unerklärlicher anderer Geruch - dann sah ich zwei Körper - eine Frau und ein Kind, nur schwarz - schwarz ... Daneben noch welche, und noch welche, und noch, und noch ... Ja, es war meine Mutter. Nur sie hatte einen Goldzahn gehabt. Und der kleine verkohlte Leichnam bei ihr - ganz sicher, das war Wolodja. Zwischen den Körpern hatte sich ein winziges Stückchen Stoff erhalten mit hellblauen Streifen - das war alles, was übriggeblieben war von seinem Feiertagshemdchen. Das bedeutete also, auch der Vater, auch die Mutter, auch die Brüder ... In meinem Kopf hämmerte und dröhnte es, als ob er platzen würde. Ich wollte es einfach nicht glauben - war hier wirklich meine ganze Welt verbrannt? ... Warum? ...
DIES ERINNERN - GLAUBT ES, LEUTE - NÖTIG IST´S FÜR JEDERMANN: WENN WIR DEN KRIEG VERGESSEN HEUTE, FÄNGT ER MORGEN WIEDER AN!
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| Weitere Informationen zu Dalwa erhalten Sie auf der Internetseite: |
| http://www.dalva.narod.ru/ |