| Johann Junius, Bürgermeister von Bamberg, schreibt an sein
Töchterchen (Auszug): "Zu viel hundert tausend guter nacht, hertzliebe dochter Veronica. Unschuldig bin ich in das gefengnus kommen, unschuldig bin ich gemartert worden, unschuldig muß ich sterben. Denn wer hier hinein kompt, der muß ein drudner (Hexer) werden und wird so lange gemarttert, bis daß er etwas aus seinem Kopff erdachte weiß. Wil dir erzehlen, wie es mir ergangen ist. Als ich das erst mahl bin uf die Frag gehört worden, war Doktor Braun, Doktor Kötzendörffer und zween frembde Doktor da (Inquisitoren), da fragt mich doktor Braun: schwager, wie kompt ihr daher. Ich antwortt: durch die valschheit, im unglück. Hört ir, sagt er, Ir seyt ein Hexer, wolt Ir es gutwillig gestehen, wo nit, so wird man euch Zeugen herstellen und den Henker an die seyten. Ich bat die Herren um gottswillen, daß es lauter falsche Zeugen waren, es hat aber nicht sein wollen, sondern gesagt, der Henker soll mich wohl zwingen. Und dann kam, Gott erbarm es im höchsten himmel, der Henker und hat mir den Daumenstock angelegt, daß das Blut herausgegangen und ich die Hendt in vier Wochen nicht hab brauchen koennen, wie du da aus meyn schlechten schreiben sehen kannst. Darnach hat man mich uf die höhe in der Folter gezogen, achtmahl, da dachte ich, himmel und erden ging unter. Und diesses alles faser nackent geschehen. Hertzliebs kindt, daß ich der großen marter und harten tortur entging, hab ich ausgesagt lauter Lügen. Da hab ich etliche persohn müssen nennen. Ich wußte niemand. So haben sie den Dietmeyer genennet, also hab ich ihn nennen müssen. Nun, hertzliebes kindt, da hastu meine lautter lüg, so wahr mir Gott helff. Gott im Himmel weiß, daß ich das geringste nicht kann noch weiß, darauf ich sterben muß. Hertzliebes Kindt, ich weiß, daß du so fromm bist als ich, und wann ich dir rathen soll, so sollstu von geld und briefen, was du hast, nehmen und dich ein halb Jahr uf ein wallfahrt begeben oder davonmachen. Liebes kindt, dieses schreiben halt verborgen, sonsten werde ich dermaßen gemarttert und es wuerden die Waechter geköpfft. Ich hab etliche tag an dem schreiben geschrieben, bin haldt gar übel zugericht. Ich bitte dich umb des juengsten gerichts willen, halt dies schreiben in guter hut und bet für mich als dein vatter. Gute Nacht denn, dein vatter Johannes Junius sieht dich nimmermehr" |