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| 04.05.2006 |
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Hedy Epstein besucht die Realschule Ennepetal |
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| Bedrückte Stille herrscht in der Aula unserer Schule, obwohl sie mit über 270 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 8 -10 voll besetzt
ist. Aufmerksam lauschen die Zuhörer dem Vortrag einer kleinen, grauhaarigen Dame, die von ihrer Kindheit als Jüdin im III. Reich erzählt. |
Hedy Epstein [81] stellt zuerst ihre Familie vor. Vergilbte Fotos ihrer Eltern, ihrer Verwandten, ihres Wohnhauses in Kippenheim [Baden-Württemberg]. Sie
war gerade 8 Jahre alt, als Adolf Hitler die Macht in Deutschland übernahm und bekam kurz danach schon zu spüren, was es damals hieß, Jüdin zu sein.
Ein neueres Foto zeigt die alte Dame an eine Säule im Eingangsbereich des ehemaligen Realgymnasiums gelehnt, dass sie einst besuchte. "Hier stand ich immer allein und sah den anderen beim
Spielen zu", so Epstein, "mit mir als Jüdin wollte niemand mehr etwas zu tun haben." |
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| Angst empfand sie insbesondere im Mathematikunterricht. "Mein Lehrer war in der SS und oftmals trug er im Unterricht auch seine Uniform. Dazu
gehörte auch eine Pistole, mit der er manchmal auf mich zielte. Meine Antworten wurden von ihm regelmäßig als 'typisch jüdisch' abqualifiziert. Noch heute habe ich Probleme mit mathematischen
Aufgaben", so Epstein. |

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Die "Reichspogromnacht" ist ihr besonders in Erinnerung geblieben. Der Vater wurde verhaftet, jüdische Männer gefesselt durch den Ort
geführt. Die Synagoge von Kippenheim wurde in Brand gesetzt, später aber gelöscht, da das Feuer auf die umliegenden Gebäude überzugreifen drohte.
Entgegen ihren Erwartungen kehrt der Vater zurück - allerdings schwer misshandelt.
Keineswegs als "Nacht und Nebelaktion", sondern am Tage und ganz offen seien dann die ersten Deportationen durchgeführt worden. Mit Fotos belegt sie ihre Aussage. Der Nachbar, seine Frau
und andere jüdische Bewohner von Kippenheim werden von SS-Leuten in einen LKW verfrachtet. Im Hintergrund |
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steht eine Menge und sieht tatenlos zu.
Hedy Epstein war 14 Jahre alt, als sie mit 500 anderen jüdischen Kindern mit einem Transport nach England geschickt wurde, wo sie in einer Familie unterkam. Mit ihren Eltern hatte sie lediglich
noch unregelmäßigen Briefkontakt. |
Auf diese Weise erfuhr sie auch von der Deportation ihrer Eltern in das Konzentrationslager De Gurs [Frankreich]. Noch durften
ihre Eltern Briefe schreiben, allerdings zensiert und nur wenige Sätze lang.
Einige Passagen aus dem letzten Brief ihrer Mutter liest Hedy Epstein den Schüler [-innen] vor. Das letzte Lebenszeichen ihrer Mutter datiert vom 4. September 1942 - eine Postkarte ohne
Absenderadresse, geschrieben in einem Eisenbahnzug: "Wir werden jetzt nach Osten gebracht", steht dort zu lesen, und "Vergiss deine Eltern nicht!" - Das Ziel des Eisenbahnzuges
war Auschwitz. |
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| Die letzten Worte ihrer Mutter seien für sie eine Verpflichtung geworden, so Epstein, "Wie könnte man je seine Eltern vergessen!" Um
die Erinnerung an sie und alle anderen Opfer des Nationalsozialismus wach zu halten, reise sie immer wieder aus ihrer jetzigen Heimat, den USA, nach Deutschland, um dort als Zeitzeugin vom
Holocaust zu berichten. Am Ende hat sie noch eine Bitte an die anwesenden Schüler: "Erzählt einem anderen Menschen von dem, was ihr heute hier gehört habt, dann wird die Erinnerung an die
Opfer wach bleiben!" |
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Links: http://www.hedyepstein.com/
http://www.hedyepstein.de/ |
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