Vorbemerkung des Projektleiters zum Interview mit dem Ministerpräsidenten:

In den E-Mails an die Politiker wurde ein Zeitraum von 3 Wochen zur Rückantwort erbeten. Wolfgang Clement hat diesen Zeitraum als einziger Kandidat nicht eingehalten und sein Interview erreichte uns erst nach Redaktionsschluss am Abend des letzten Schultages vor den Osterferien.
Im Gegensatz zu den meisten Schülerinnen und Schülern, die eine Veröffentlichung des angekündigten Interviews wegen der Zeitüberschreitung rundweg ablehnten, bin ich der Meinung, dass wir auch die Hektik der Wahlkampfzeit und den Termindruck der Spitzenpolitiker angemessen zu berücksichtigen haben.
Vielleicht sind die hier angesprochenen Schüler ihrerseits auch einmal froh, wenn ihnen anlässlich einer Klassenarbeit ein wenig mehr Zeit zur Verfügung gestellt wird als ursprünglich vom Lehrer veranschlagt wurde.
Holger Schwettmann, Projektleiter

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"Trendwende auf dem Arbeitsmarkt ist da"

rpoint.gif (45 Byte)  Wolfgang Clement
...wurde 1945 in Bochum geboren
1965 1. Staatsexamen der Rechtswissenschaften
1965 - 1968 Rechtsreferendar an der Uni Marburg
ab 1968 stellvertr. Chefredakteur der "Westfälischen Rundschau"
seit 1970 Mitglied der SPD
1987 - 1989 Chefredakteur der "Hamburger Morgenpost"
1989 - 1995 Chef der Staatskanzlei des Landes NRW
1995 - 1998 Minister für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr
seit 1998 Ministerpräsident des Landes NRW
seit Dez. 1999 stellvertretender Vorsitzender der SPD
Unsere Redaktion:
Herr Clement, welche zukünftigen politischen Aufgaben kann die SPD Ihrer Meinung nach besser lösen als die anderen Parteien?
Wolfgang Clement:
Für die SPD steht die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit an erster Stelle. Heute können wir sagen: Die Trendwende auf dem Arbeitsmarkt ist da. Wir haben in Nordrhein-Westfalen in diesem Frühjahr 81.000 Arbeitslose weniger als vor zwei Jahren, die Zahl der offenen Stellen ist heute so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr. Ich bin überzeugt: Wir können Arbeitslosigkeit in den Griff bekommen. Alle Prognosen sagen uns, dass wir uns auf einen lang anhaltenden Wirtschaftsaufschwung einstellen können. Ich bin zuversichtlich, dass es uns vor diesem Hintergrund gelingt, die Arbeitslosigkeit in unserem Land von rund 800.000 auf 500.000 bis zum Ende der nächsten Legislaturperiode zu senken.
Unsere Redaktion:
Können Sie uns drei Argumente nennen, warum gerade junge Wähler Ihnen ihre Stimme geben sollten?
Wolfgang Clement:
Erstens: Ich habe vor meiner Wahl zum Ministerpräsidenten gesagt: "Die Chancen unserer Kinder sollen unser Kompass sein für die Gestaltung der Zukunft." Auch deshalb habe ich mich Jahr für Jahr mit großem persönlichem Engagement dafür eingesetzt, dass mehr Ausbildungsplätze bereitgestellt werden. Mit Erfolg: Zum ersten Mal seit vielen Jahren haben wir im Land eine ausgeglichene Lehrstellenbilanz.. Wir haben die Jugendarbeitslosigkeit im vergangenen Jahr im Schnitt um fast neun Prozent verringert, bei den langzeitarbeitslosen Jugendlichen sogar um 40 Prozent, und ich bin jetzt zuversichtlich, dass wir sie bis zum Ende der kommenden Legislaturperiode sogar auf Null bringen können.
Zweitens: Für mich gibt es keine wichtigere Investition als die in die Köpfe unserer Jugend. Jede dritte Haushaltsmark geben wir in NRW für Bildung und Ausbildung aus. Und wir haben gerade nochmals tief in die Tasche gegriffen, um 3.300 zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer einzustellen. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass bis zum Ende dieses Jahres alle Schulen in NRW ans Netz gehen können. Und bis Mitte der neuen Legislaturperiode wollen wir erreicht haben, dass sogar jede Klasse einen Internet-Anschluss hat.
Drittens: Mir imponieren junge Leute, die mit Ideen, Einfallsreichtum und Beharrlichkeit ihre berufliche Entwicklung angehen. Davon haben wir noch zu wenig. Damit mehr junge Leute den Mut zu einer selbständigen Tätigkeit finden, helfen wir in Nordrhein-Westfalen dabei nach Kräften: z.B. mit unserer Gründungsoffensive, mit unserer Mittelstandsoffensive, mit Krediten und mit einer Vielzahl von Beratungsangeboten.

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"Jugendarbeitslosigkeit um fast 9% verringert"

Unsere Redaktion:
Herr Clement, glauben Sie, dass die CDU- Spendenaffäre bei der Landtagswahl in NRW noch eine entscheidende Rolle spielen wird?
Wolfgang Clement:
Die Affäre lähmt verständlicherweise viele in der Anhängerschaft der CDU. Aber wie sich das bei der Wahl auswirkt, wage ich nicht zu prognostizieren..
Unsere Redaktion:
Was hat Sie überhaupt dazu bewogen, in die Politik zu gehen?
Wolfgang Clement:
Schon als junger Redakteur habe ich mich für die Ost-Politik von Willy Brandt begeistert und bin damals durchs Sauerland getingelt, um auf Veranstaltungen dafür zu werben. Als ich dann später das Angebot von Willy Brandt erhielt, Sprecher der SPD zu werden, war das für mich eine interessante Herausforderung und auch eine Herzenssache. Ich empfand es sehr verlockend, selber mitzugestalten, zu verändern und etwas zu bewegen.
Unsere Redaktion:
Wo liegen - nach Ihrer Einschätzung- Ihre persönlichen Stärken?
Wolfgang Clement:
Ich denke, da sollte man zuerst Menschen fragen, die mich gut kennen. Wenn ich mich selber einschätzen soll, dann würde ich Ausdauer und Stehvermögen nennen - das hilft mir nicht nur beim Joggen.
Unsere Redaktion:
Welche Eigenschaften würden Sie an sich selbst als "Schwäche" bezeichnen?
Wolfgang Clement:
Über meine "Ungeduld" ist ja schon manches geschrieben worden. "Herr, gib mir Geduld, aber sofort", so hat meine Frau einmal mein Lebensmotto beschrieben. Ich sage lieber, das ist nun einmal mein Temperament.
Unsere Redaktion:
Herr Ministerpräsident, wir bedanken uns für das Interview.

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