rpoint.gif (45 Byte)  Bärbel Höhn
...wurde 1952 in Flensburg geboren
Studium der Mathematik und Volkswirtschaft
Diplom-Mathematikerin
1978 - 1990 wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Duisburg
Seit 1985 Mitglied bei den Grünen
1985 - 1989 Ratsmitglied im Rat der Stadt Oberhausen
1990 Spitzenkandidatin der Grünen bei der Landtagswahl
1990 - 1995 Fraktionssprecherin der Grünen im Landtag
Seit 1995 Ministerin für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft
"Andere Parteien reden vom Umweltschutz,
handeln aber häufig ganz anders."
Unsere Redaktion:
Frau Höhn, welche zukünftigen politischen Aufgaben kann Bündnis90/Die Grünen Ihrer Meinung nach besser lösen als die anderen Parteien?
Bärbel Höhn:
Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt. D.h. wir dürfen nicht die Substanz jetzt schon verbrauchen, auf die unsere Kinder angewiesen sind.
Wir haben globale Umweltprobleme wie die Klimakatastrophe, die den gesamten Erdball bedrohen.
Die politische Aufgabe der nächsten Jahrzehnte besteht darin, diese Umweltprobleme zu lösen und zwar in Verbindung mit wirtschaftlich-sozialen Ansätzen.
Das Ziel ist: Der Erhalt der Umwelt, wirtschaftlicher Wohlstand und soziale Gerechtigkeit. Und dies nicht nur in Deutschland und den reichen Staaten der Nordhalbkugel, sondern weltweit, also auch in den bislang benachteiligten Regionen in Afrika, Asien und Lateinamerika.
Die Erkenntnis, dass diese Ziele gemeinsam verfolgt werden müssen und z.B. die Vermehrung des wirtschaftlichen Wohlstandes durch Raubbau an der natürlichen Umwelt oder auf Kosten der Menschen in der sog. Dritten Welt letztlich in die Sackgasse führt, hat vor 20 Jahren zur Gründung der Grünen geführt.
Inzwischen reden zwar auch die anderen Parteien viel von Umweltschutz, in der praktischen Politik handeln sie häufig aber ganz anders. Eine andere Energiepolitik ohne die gefährliche Atomkraft und mit regenerativen Energien zur Vermeidung der Klimakatastrophe, die Förderung moderner, umweltschonender Technik, mehr Busse und Bahnen und weniger Benzin verbrauchende Autos, zusätzliche Ausbildungs- und Arbeitsplätze in Zukunftsberufen - diese Ziele können wir als Bündnis 90/Die Grünen mit unseren Konzepten viel eher als die anderen Parteien erreichen.
Wir wollen sie mit den Menschen zusammen entwickeln.
Unsere Redaktion:
Können Sie uns drei Argumente nennen, warum gerade junge Wähler Ihnen ihre Stimme geben sollten?
Bärbel Höhn:
1. Weil Sie und Ihre Kinder auch in fünfzig Jahren noch reine Luft, gesundes Wasser und unverseuchten Boden zum Überleben benötigen.
2. Weil wir ein Renten- und Sozialsystem wollen, von dem Sie auch in fünfzig Jahren noch etwas haben und das bis dahin nicht pleite ist.
3.Weil junge Wählerinnen Politikerinnen und Politiker an ihren Taten und nicht nur an ihren Versprechungen messen.
Unsere Redaktion:
Frau Höhn, glauben Sie, dass die CDU- Spendenaffäre bei der Landtagswahl in NRW noch eine entscheidende Rolle spielen wird?

"Ich möchte auch als Ministerin den Kontakt zu den Menschen nicht verlieren."

Bärbel Höhn:
Ich bin da ganz ehrlich - natürlich hoffe ich das !
Vor allem, damit sich etwas ändert. Die Konsequenz aus der Spendenaffäre muss mehr Demokratie, mehr Mitbestimmungs- und Entscheidungsrecht für die Bevölkerung, z.B. durch Volksentscheide zu wichtigen Sachfragen, sein. Macht darf nicht mehr so stark in der Hand einzelner Politiker konzentriert sein, sondern muss begrenzt und besser verteilt werden - alles Ziele, für die Bündnis 90/Die Grünen seit langem eintreten. Wenn die Gesellschaft die Affäre schon im Mai vergessen hätte, würde sich an all diesen Punkten nichts ändern und das wäre der eigentliche Fehler.
Unsere Redaktion:
Was hat Sie überhaupt dazu bewogen, in die Politik zu gehen?
Bärbel Höhn:
Ich habe mich, weil meine Kinder Probleme hatten, in die Politik eingemischt. Gestartet bin ich in einer Bürgerinitiative für Verbesserungen im Kindergartenbereich. Mehr Kindergartenplätze, mehr Platz und eine bessere Betreuung. Erfolg: wir haben den Neubau eines Kindergartens durchgesetzt.
Außerdem ist einer meiner Söhne schwer an Bronchitis erkrankt als wir ins Ruhrgebiet zogen. Als dann noch eine weitere Sondermüllverbrennungsanlage gebaut werden sollte, haben wir uns gewehrt. Nach hartem und langem Kampf wurde die Sondermüllverbrennungsanlage nicht gebaut.
Ich kandidierte für den Landtag für eine andere Abfallpolitik: vermeiden und verwerten statt verbrennen.
Unsere Redaktion:
Wo liegen - nach Ihrer Einschätzung- Ihre persönlichen Stärken?
Bärbel Höhn:
Glaubwürdigkeit, Hartnäckigkeit, Durchsetzungsvermögen und dass ich auch als Ministerin den Kontakt zu den Menschen nicht verliere.
Unsere Redaktion:
Welche Eigenschaften würden Sie an sich selbst als "Schwäche" bezeichnen?
Bärbel Höhn:
Mir fehlt manchmal die nötige Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann.
Unsere Redaktion:
Frau Höhn, wir bedanken uns für das Interview!

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